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12. - 15. Februar 2020 // Nürnberg, Germany

BIOFACH Newsroom

Langeweile gibt's woanders - neue Trends bei Bio-Weinen

Gastbeitrag

Portrait: Dr. Matthias Neske
Erlebniswelt WEIN
© Dr. Matthias Neske

Wein ist ein Genussmittel, da beißt die Maus keinen Faden ab. Und wie das so ist bei allem, was wir nicht zwingend zum Überleben brauchen, müssen diese Genussmittel nicht nur Spaß machen, sondern auch ein wenig den Zeitgeist in sich tragen, wandlungsbereit sein, Stimmungen aufnehmen. Es ist deshalb nicht erstaunlich, dass gerade Bio-Winzer bei den aktuellen Weintrends ganz vorn dabei sind.

Schaumweine

Schaumweine als Symbole von Festlichkeit und Lebensfreude sind weltweit gesehen die großen ökonomischen Trendgewinner. Gutes Marketing hat dazu geführt, dass neue Zielgruppen in neuen Zielländern gewonnen werden konnten. Der Aufschwung umfasst dabei nicht nur Markenchampagner „mit Goldkettchen“. In Deutschland werden nämlich mittlerweile sehr gute Schaumweine nach der Champagner-Methode hergestellt und verkauft – auch in Bio-Qualität (bei der BIOFACH z.B. der Crémant Brut von Zähringer).

Orange Wines

Was soll das denn bitteschön sein, ein Wein aus Orangen? Nein, dieser Begriff bezieht sich eher auf die Farbe dieser dunklen Weißweine. Jene kommt daher, dass Traubensaft und farbintensivere Schalen bei der Gärung länger als üblich in Kontakt miteinander stehen. Die auf diese Weise entstehenden Weine sind robuster als gewöhnliche Weiße, haben ein bisschen Gerbstoffe und passen hervorragend zu Gemüsegerichten und der ebenfalls trendigen Nordic Cuisine (z.B. der Orange Premier von Benzinger).

Vins Naturels

Noch so ein Begriff, der sich nicht von selbst erklärt. Sind nicht alle Weine irgendwie natürlich? Nun, ein Blick in die Kataloge von Behandlungsmittel-Herstellern bringt schnell die Erkenntnis, dass dies mitnichten der Fall sein muss. Bei Vins Naturels hingegen wird mehr auf das Werden als auf das Bearbeiten geachtet. Es gibt in der Regel keinen zugesetzten Schwefel, die Moste bleiben unfiltriert und trüb, und der Anbau ist bei diesem Ansatz fast schon zwangsläufig biologisch. Das Ergebnis sind Weine, die erst einmal ungewohnt erscheinen, die aber in angesagten Weinbars von Paris bis Tokio die Menschen begeistern (z.B. die „Was ist das?“-Linie von Schäfer-Heinrich und die „Sans“-Linie von Benzinger).

Piwis

„Piwi“ ist die Abkürzung für pilzwiderstandsfähige Rebsorten, deren Frühformen bereits vor mehr als 100 Jahren gezüchtet wurden. Heute eingesetzte Piwis sind jedoch zum Teil noch so neu, dass auf den Flaschen rechtlich manchmal „aus Versuchsanbau“ stehen muss. Gerade bei Bio-Winzern erfreuen sie sich steigender Beliebtheit, denn weniger Spritzen schont gleichzeitig die Umwelt und den Geldbeutel. Geschmacklich ist die Bandbreite der Piwis groß und reicht von „interessant“ bis hin zu „ziemlich gut“. Ein Trend als „work in progress“ (z.B. der Cabernet Blanc von Doreas).

Autochthone Rebsorten

In den 80er und 90er Jahren gab es einen Trend, möglichst „wertige“ Weine an jedem Ort des Planeten erzeugen zu wollen. Die Folge war, dass eine gute Handvoll internationaler Rebsorten die alten Lokalsorten verdrängte. Dieser Trend hat sich in letzter Zeit völlig umgekehrt. Vom Massenmarkt derzeit noch wenig beachtet, gibt es im Rahmen der Rückbesinnung auf lokale Traditionen zunehmend mehr Weine, die den sense of place in sich tragen. Manche dieser alten Rebsorten werden vorsichtig wiederbelebt, während andere davon profitieren, nun mit einem größeren Selbstbewusstsein auftreten zu können (z.B. die Trollinger von Schäfer-Heinrich oder der Nosiola von Pisoni aus den Dolomiten).

Über Matthias Neske  

Dr. Matthias Neske ist Geograph und schreibt seit 2010 auf seinem Blog Chez Matze über Reisen und Wein mit einem Schwerpunkt auf Bio-Weinen. Gern berichtet er direkt vom Ort des Geschehens.

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