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13. - 16. Februar 2019 // Nürnberg, Germany

BIOFACH Newsroom

Ökologisch erzeugtes Olivenöl – auch 2018/19 bleibt es spannend!

Gastbeitrag

Portrait Richard Wolny
Erlebniswelt OLIVENÖL
Richard Wolny, Olivenöl Sensorik // © Richard Wolny

Während Archäologen der Universität von Zadar 3.500 Jahre alte Olivenkerne als Nachweis der Kulturpflanze in Dalmatien präsentieren, bleibt die Welt des Olivenöls im Wandel. Im November 2018 – die Olivenernte ist im vollen Gange – lassen sich die ersten zuverlässigen Prognosen für die Kampagne 2018/19 abgeben. Und die sehen ganz anders aus als noch vor vier Wochen.

Die Produktion und der Handel mit Lebensmitteln sind vielen, nicht beherrschbaren Risiken unterworfen. Die aktuell spürbaren Veränderungen im Weltklima mit teilweise massiven Folgen für den Agrarsektor treffen besonders die ökologische Landwirtschaft hart. Gerade der Olivenanbau und die Herstellung von Olivenölen sind zusätzlichen Unwägbarkeiten unterworfen. Kein Wunder also, dass alle Jahre wieder mit Beginn der Erntezeit in den Haupterzeugerländern rund um das Mittelmeer das große Bangen beginnt. Dabei geht die EU von einem leichten Anstieg der Menge in den EU-Mitgliedsstaaten aus, und zwar von 2 % auf 2,20 Mio. t.

Am deutlichsten werden die Unterschiede am Beispiel Italien sichtbar, dem bevorzugten Lieferanten mitteleuropäischer Konsumenten. Der Mitte November veröffentlichte Bericht einer ökologisch arbeitenden Produzentin aus dem apulischen Ostuni zeigt besonders die Schwierigkeiten für Bio-Bauern. In der italienischen Region Apulien (Puglia), die rund die Hälfte der Gesamtproduktion liefert, gehen offizielle Stellen von einem Verlust von 58 % aus. Neben dem Befall der Bäume mit dem Bakterium Xylella fastidiosa, fürchtet man nun die Olivenfliege, die im Bio-Anbau nur mit hohem Aufwand bekämpft werden kann. Hier kommt es zu einem Wettlauf mit der Zeit. Vor allem, wenn die Oliven in eine ferne Mühle verbracht werden müssen. Ganz anders stellt sich die Situation im Norden dar. In der Region um den Gardasee sprechen die Erzeuger sowohl bei Quantität als auch bei Qualität von einem guten Jahr. Auch die Toskana geht zumindest von guter Qualität aus, wogegen Sizilien starke Verluste meldet. Im Mittel ist in Italien davon auszugehen, dass es gegenüber dem Vorjahr einen Einbruch von rund 38 % geben wird.

Wie so oft zeigt sich der weltgrößte Erzeuger Spanien relativ stabil. So konnte der andalusische Agrarminister Rodrigo Sánchez Haro, ein regelmäßiger Gast der BIOFACH, im Oktober verkünden, dass in seiner Region ein Anstieg von 40 % erwartet werde. Das wäre dem Minister der produktionsstärksten Fläche Spaniens zufolge die zweitbeste Kampagne der letzten fünf Jahre. Zudem ist Andalusien mit dem Olivenzentrum Jaén der größte spanische Produzent von Bio-Olivenölen. Dort werden aktuell 75.100 ha ökologisch bewirtschaftet. Für die laufende Kampagne gehen die Verantwortlichen von rund 22.000 t mehr Ertrag aus. Was wiederum die Erwartungen zur Vielfalt und Qualität der spanischen Olivenöle bei der BIOFACH 2019 steigen lässt. Schließlich haben die Spanier beim Olivenölpreis der diesjährigen Messe auf den Spitzenplätzen im wahrsten Wortsinn abgeräumt.

Während sich Spanien entgegen dem weltweiten Mengenrückgang über einen Anstieg freuen kann, sieht es für die anderen klassischen Erzeugerländer nicht so gut aus. In Griechenland melden Produzenten aus der südlichen Peleponnes ebenfalls einen Einfall der Olivenfliege. Offizielle Zahlen prognostizieren einen Gesamtrückgang in dem Land von 30,6 % auf 240.000 t, was ungefähr den aktuellen Mengen in Italien entsprechen dürfte. Portugal bleibt mit einem Minus von nur 3,6 % und 130.000 t relativ stabil. Tunesien, inzwischen ein bedeutender Importeur in den europäischen Markt, wird auch einen beachtlichen Rückgang von 57 % verzeichnen. Von den zu erwartenden 120.000 t werden geschätzt 14.000 bis 19.000 t aus ökologischem Anbau stammen. Immerhin widmet das Land 40 % seiner Bioanbaufläche dem Olivenbaum.

Was bleibt, ist die Aussicht auf große Unterschiede hinsichtlich Menge und Qualität. So ist es durchaus möglich, dass auch bei geringen Mengen gute Qualitäten erzeugt werden. Auf der anderen Seite wird die Nachfrage mit Beständen aus der Vorjahreskampagne befriedigt. Da die ökologische Kultivierung von Oliven mit deutlich mehr Unwägbarkeiten verbunden ist als die konventionelle, wird die BIOFACH 2019 als die erste große Präsentationsmöglichkeit für Bio-Öle zeigen, was zu erwarten ist. Der Olivenöl-Preis der BIOFACH dürfte sich da wieder als Gradmesser für den Handel und alle Marktteilnehmer beweisen.

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