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13. - 16. Februar 2019 // Nürnberg, Germany

BIOFACH Newsroom

Transparenz – Das wachsende Bedürfnis nach besserer Information

Kolumne

Portrait Hanni Rützler
Hanni Rützler // © Hanni Rützler

Vertrauen ist insbesondere bei Lebensmitteln zur wichtigen Währung geworden. Um es zu gewinnen, sind umfassende Informationen essentiell: Informationen, die - Stichwort Transparenz - nicht nur aufrichtig und unzweideutig sein sollten, sondern auch an richtigen Orten und zum richtigen Zeitpunkt zur Verfügung stehen. Nicht nur in Sachen Herkunft, Erzeugung und Transport, sondern auch im Hinblick auf Nachhaltigkeit und unter besonderer Berücksichtigung von ökologischen und sozialen Aspekten. Nur durch solche Informationen lässt sich - gerade auch für Bioprodukte - Vertrauen aufbauen und sichern.

Dabei ist es für Produzenten und Handel wichtig zu verstehen, dass unterschiedliche Aspekte der Lebensmittelinformation auch zu verschiedenen Zeitpunkten an Bedeutung gewinnen und dass sich Produktinformationen für den Kunden im Handlungsverlauf als unterschiedlich relevant erweisen. Das heißt, sie sind nicht nur am „Point of Sale“ interessant. Gesetzlich verpflichtende Informationen sind zudem nicht nur nicht ausreichend, sondern für Konsumenten in den meisten Fällen auch nicht hilfreich.

Die meisten Entscheidungen werden im Vorfeld und während des Einkaufs getroffen. Im Vorfeld spielen werteorientierte Erwägungen wie Nachhaltigkeit, Tierwohl, Ökologie und soziale Gerechtigkeit aber auch Inspiration („Was esse ich heute?“) eine immer größere Rolle. Sie beeinflussen maßgeblich die Entscheidung, wo eingekauft wird (etwa auf regionalen Wochenmärkten, in Bio-Supermärkten oder Onlinehandel). Während des Einkaufs sind - neben dem Preis - meist unmittelbare Bedürfnisse entscheidender: Geschmack, Rezeptur, Haltbarkeit und Convenience. Letztere wird bei der Zubereitung und Lagerung zum Thema, während Geschmack und Inhaltsstoffe zum Zeitpunkt des Verzehrs besonders relevant werden. Konsumenten, für die Nachhaltigkeit und ökologische Kriterien wichtig sind, setzen sich zudem zum Zeitpunkt der Entsorgung der Verpackung  mit der Produktinformation auseinander.

Vor allem jungen Food Start-ups gelingt es immer besser - auch dank ihres innovativen/professionellen Umgangs mit digitalen Medien - viele dieser für interessierte Kunden relevanten Informationen zur Verfügung zu stellen.
Es liegt aber auch an den Produkten selbst, die bei der Entwicklung, dem Sourcing, der Herstellung, der Verpackung und im Vertrieb - also auf allen Ebenen - auf eine „essbare Ethik“ abzielen. Digitale Technologien unterstützen sie dabei, diese Werte ganzheitlich zu kommunizieren und ihre glaubwürdige Umsetzung nachvollziehbar zu machen.

In Zukunft gilt es, die im Lebensmittelsektor immer weiter aufgebrochene Kluft zwischen Werbung (Emotion) und Information (Aufklärung) zu überwinden. Das heißt, den neuen Qualitätserwartungen der Kunden mit der richtigen Ansprache entgegen zu kommen und ihnen Werkzeuge in die Hand zu geben, den Produzenten ab und an über die Schulter schauen zu können. Kunden wollen sich ohne großen Recherche-Aufwand über jene Aspekte zu informieren können, die für sie besonders interessant sind. Zukunfts-Potenzial haben auch alltagstaugliche Tipps zur optimalen Lagerhaltung zuhause, zur schonenden und geschmacklich optimalen Zubereitung sowie zur kulinarisch überzeugenden Resteverarbeitung und - Stichwort Food Waste - ökologisch sinnvollen Resteentsorgung. Ein nachhaltiger Umgang mit Nahrungsmitteln endet nicht beim Produzenten und im Supermarkt und kann auch nicht nur auf den Endkunden geschoben werden.

Über die Autorin

Hanni Rützler hat sich als Food-Trend-Forscherin mit ihrem multidisziplinären Zugang zu Fragen des Ess- und Trinkverhaltens weit über den deutschsprachigen Raum hinaus einen Namen gemacht. Als Autorin und Referentin wird sie vor allem als Vermittlerin zwischen Theorie und Praxis geschätzt. Ihr jährlich erscheinender „Food-Report“ (www.zukunftsinstitut.de/artikel/food-report-2019/) zählt zu den einflussreichsten Publikationen in der Gastro- und Lebensmittelbranche.

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