15. - 18. Februar 2017 // Nürnberg, Germany

Presseinformationen zur BIOFACH

13.02.2013
Eröffnungsrede Dr. Felix Prinz zu Löwenstein
Vorstandsvorsitzender
Bund Ökologischer Lebensmittelwirtschaft
 

Sehr verehrte Minister, Oberbürgermeister etc…
Meine Damen und Herren,
Liebe Freunde

Vor knapp zwei Wochen saß ich in Berlin zusammen mit Vertretern von Umweltverbänden Leuten gegenüber, die für wichtige Entscheidungen zuständig waren, was Deutschlands Haltung zur Finanzierung und zur Gemeinsamen Agrarpolitik der EU betrifft. Als diskutiert wurde, für was das Steuergeld der Bürger Europas ausgegeben werden soll und wer Interesse an welchem Ergebnis der Entscheidungen hat, meinte unser Gegenüber in einem Nebensatz: „Sie sind ja auch nur Lobbyisten“. Wir haben das nicht weiter erörtert. Es ist mir aber noch lange durch den Kopf gegangen. Ist das mein Selbstbild „Du bist auch nur Lobbyist“? Nun könnte man sich diesen Begriff so definieren, dass man gut damit zurecht kommt. Aber gemeint war natürlich: „Ihnen geht es doch auch nur um die eigenen wirtschaftlichen Interessen“.

Dagegen sträubt sich bei mir alles. Ja, wem eine Branche Verantwortung für sich überträgt, der muss ihre wirtschaftlichen Interessen im Blick haben. Der muss sich dafür einsetzen, dass diejenigen, die in ihr wirtschaften, gesetzliche und gesellschaftliche Rahmenbedingungen vorfinden, die es ihnen ermöglicht, dauerhaft Gewinne zu erzielen. Nur dann können sie ihr Einkommen daraus bestreiten und nur dann können sie in die Entwicklung ihrer Zukunft investieren.
Aber geht es uns wirklich nur darum?

Schon, dass wir zusammen mit den Umweltverbänden in seinem Büro saßen, hätte unserem Gesprächspartner deutlich machen sollen, dass unsere Verantwortung nicht am Hoftor, am Zaun des Fabrikgeländes oder dem Eingang des Ladens endet. Sondern dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, für die wir kämpfen, die Voraussetzung dafür sind, dass etwas ganz anderes erreicht wird: die grundlegende Veränderung von Landwirtschaft und Ernährung, damit die Generationen nach uns noch eine Erde vorfinden, die sie ernähren kann.

Uns treibt um, dass aus unserer Landschaft in den letzten 30 Jahren 40% aller Vögel verschwunden sind – was ja nur die sichtbarste Spitze einer Katastrophe ist, die längst auch das winzigste, nicht unmittelbar sichtbare Leben in unseren Böden betrifft. Oder dass die Landwirtschaft zu 30% Mitverursacher des Klimawandels geworden ist, dessen Opfer sie als allererstes werden wird. Oder dass die volkswirtschaftlichen Kosten der Über- und Fehlernährung jährlich höher sind, als das, was man zur Verhinderung systemrelevanter Bankenpleiten braucht. Uns bewegt die Beobachtung, dass die Ernährungskrise der Welt zum Geschäftsmodell für Umsätze mit Düngemittel und Pestiziden und für immer mehr monopolisierte Saatgutmärkte wird.

Es wird nicht schwer sein, auch in den Hallen der Biofach Menschen zu finden, denen das alles egal ist, solange Umsatz und Rendite stimmen. Aber sowohl hier, wie auf den Bio-Bauernhöfen im Land, bei Mühlen, Bäckern und anderen Verarbeitern ihrer Produkte und bei den Naturkost-Ladnern,ist es sehr viel leichter Menschen zu finden, deren Triebfeder nichts anderes ist, als eben diese Sorge um die Ressourcen der Erde. Und die diese Erde nicht einer Logik überlassen wollen, die nur die Anhäufung von Kapital und shareholder value kennt und die ein Engagement für die Belange der Allgemeinheit erst nach Abschluss der Bücher für möglich hält: als Corporate Social Responsibility, bezahlt aus den Gewinnen einer zerstörerischen Wirtschaft. Was ihr Engagement so wirkungsvoll macht, ist die Kooperation aller Glieder der Wertschöpfungskette, die sich alle denselben Werten und Zielen verpflichtet wissen.

Wir Bios werden weiter – und in den Tagen bis zu den agrarpolitischen Entscheidungen im Europäischen Parlament besonders intensiv dafür streiten, dass es zu einer Ernährungswende kommt. Zu einer Wende, nach der nicht mehr diejenigen ökonomisch belohnt werden, die billige Produkte erzeugen, aber hohe Kosten auf Gesellschaft, Natur und auf die Lebenschancen künftiger Generationen abwälzen. Sondern diejenigen, die Wege suchen, wie achtsam und nachhaltig mit der Natur und den uns anvertrauten Mitgeschöpfen umgegangen werden kann.

Es macht mich extrem zuversichtlich und hoffnungsvoll zu wissen, dass dies das gemeinsame Anliegen einer so innovativen, kreativen, agilen und obendrein so liebenswerten Gemeinschaft ist, wie sie hier in Nürnberg auf der Biofach zusammenkommt.
 
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