Damit verschiebt sich auch die Perspektive auf Wettbewerb. Kooperation wird zunehmend zu einem strategischen Werkzeug. Nicht jede Innovation muss exklusiv bleiben. In manchen Fällen entsteht Wirkung gerade dann, wenn Wissen geteilt wird.
Ein Beispiel dafür brachte Gyde Wollesen, Head of Impact bei followfood, ein. Das Unternehmen plant, seine Fischerei-Richtlinien öffentlich zugänglich zu machen. „Wir stellen unsere Richtlinien online, damit andere sehen können, nach welchen Kriterien wir arbeiten“, sagte sie. Wenn mehr Unternehmen ähnliche Standards übernehmen, könne sich nachhaltige Produktion schneller im Markt verbreiten.
Der eigene Wettbewerbsvorteil gehe dadurch nicht automatisch verloren. „Der USP einer Marke wird nicht automatisch zum USP der anderen“, so Wollesen. Oft werde er zunächst zu einem zusätzlichen Argument – während der Markt insgesamt wächst.
Nachhaltige Geschäftsmodelle neu denken
Die Diskussion zeigte auch, dass nachhaltige Geschäftsmodelle zunehmend über klassische Nachhaltigkeitsthemen hinausgehen. Sie verbinden ökologische Fragen immer häufiger mit sozialen oder organisatorischen Innovationen.
Das Sozialunternehmen HEYHO ist ein Beispiel dafür. Das Unternehmen produziert Granola – doch im Mittelpunkt steht eine andere Idee: Menschen mit schwierigen Lebensläufen eine neue Chance im Arbeitsmarkt zu geben.
Mitbegründer und CEO Timm Duffner beschreibt das Unternehmen deshalb weniger als Lebensmittelmarke, sondern eher als Experimentierfeld – auch vor dem Hintergrund eines stagnierenden Marktes: „Der Markt wächst nicht”, sagte er. „Menschen essen nicht mehr – sie essen nur anders.”
Für Unternehmen bedeutet das: Wachstum entsteht nicht unbedingt durch mehr Konsum, sondern durch neue Formen der Wertschöpfung. Nachhaltige Geschäftsmodelle verbinden wirtschaftliche Tätigkeit zunehmend mit gesellschaftlicher Wirkung.
Diese Perspektive verändert auch den Blick auf Arbeit. Viele Unternehmen seien ohnehin mit sozialen Herausforderungen konfrontiert – etwa mit Mitarbeitenden, die persönliche Krisen oder schwierige Lebenssituationen mitbringen. HEYHO versuche, daraus ein bewusst gestaltetes Organisationsmodell zu entwickeln.
Vom Nischenprodukt zum Wettbewerber
Gleichzeitig wurde deutlich, dass sich der Bio-Markt stärker im direkten Wettbewerb behaupten muss. Friedemann Wecker, Geschäftsführer der Bauck Mühle, betonte, dass Bio-Produkte nicht nur in einer eigenen „Bio-Ecke“ funktionieren sollten.
„Unsere beste Performance haben wir in der Kategorie – nicht in der Bio-Ecke“, sagte er. Wenn Bio-Produkte direkt neben konventionellen Alternativen stehen, erreichen sie auch neue Zielgruppen.
Für Wecker gehört dazu auch mehr Transparenz in der Kommunikation. Unternehmen müssten stärker zeigen, wie sie arbeiten und welche Entscheidungen sie treffen. „Authentische Einblicke und Gespräche – auch mit der Konkurrenz – können helfen, nachhaltige Lösungen schneller zu verbreiten.“
Raus aus der moralischen Bubble
Ein weiterer Punkt, der in der Diskussion mehrfach angesprochen wurde, betrifft die Kommunikation innerhalb der Branche. Nachhaltige Unternehmen bewegen sich häufig in einer sehr engagierten Szene. Das kann inspirierend sein – birgt aber auch die Gefahr, sich zu sehr nach innen zu richten.