Aktuelle Studie: Schulen und Kitas beim Bio-Anteil vorn
Wie relevant dieses Zeitfenster ist, zeigt bereits die Ausgangslage: Eine im Juli 2026 vorgestellte Studie von AMI und Ecozept Deutschland im Auftrag des BMLEH belegt, dass Schulen und Kitas beim Bio-Einkauf schon heute eine Vorreiterrolle einnehmen. Im Rahmen des seit 2025 laufenden Projekts „Bio in der AHV" erreicht die Bildungsverpflegung mit 6,1 Prozent Bio-Anteil am Wareneinkauf den höchsten Wert unter allen erfassten Bereichen der Gemeinschaftsverpflegung – vor Restaurants mit Bedienung (4,4 %) und Betriebsrestaurants (3,5 %). Schulen und Kitas sind damit schon jetzt Vorreiter im AHV-Vergleich – wenn auch auf insgesamt noch niedrigem Niveau.
Warum das Mittagessen gesundheitspolitisch relevant ist
Gesundheitliche Ausgangslage
Mit dem Ausbau des Ganztags und dem damit verbundenen steigenden Anteil von Kindern, die in der Schule Mittag essen, wächst auch die gesundheitliche Verantwortung der Schulverpflegung. Diese zeigt sich darin, dass ein erheblicher Anteil von Kindern und Jugendlichen in Deutschland die Ernährungsempfehlungen nicht erreicht – mit Folgen wie Nährstoffmangel und Übergewicht. Das machte der Ernährungsmediziner Prof. Dr. Berthold Koletzko im Rahmen des Bürgerrats Ernährung im Deutschen Bundestag deutlich. Er betonte zudem, dass gesundheitliche Chancen stark von der sozialen Herkunft abhängen und Ungleichheiten häufig bereits im Kindesalter entstehen.
Der DGE-Qualitätsstandard als Rahmen
Prof. Dr. Wilhelm Windisch (TU München) ergänzte bei diesem Fachgespräch, dass beim Mittagessen ein wesentlicher Beitrag zur Versorgung mit kritischen Nährstoffen geleistet werden kann – vorausgesetzt, der DGE-Qualitätsstandard für die Schulverpflegung wird eingehalten. Dieser deckt neben der Nährstoffversorgung weitere Nachhaltigkeitskriterien ab, darunter ökologisch erzeugte Lebensmittel, fairen Handel und artgerechte Tierhaltung.
Bio-AHV-Verordnung und Förderprogramme
Seit Oktober 2023 schafft die Bio-Außer-Haus-Verpflegung-Verordnung einen bundesweiten Rahmen für die Kennzeichnung des Bio-Anteils in der Gemeinschaftsverpflegung. Sie führt ein einheitliches Logo-System ein (Bronze ab 20 %, Silber ab 50 %, Gold ab 90 % Bio-Anteil). Flankiert wird sie von zwei Bundesförderprogrammen: RIZERT-AHV übernimmt bis zu 80 Prozent der Zertifizierungskosten (für Kitas und Schulen sogar 100 Prozent), während RIBE-AHV Beratungs- und Schulungsleistungen mit bis zu 80 Prozent fördert, sofern ein Bio-Anteil von mindestens 30 Prozent des Wareneinsatzes angestrebt wird.
Praktische Ansätze für mehr Bio in der Schulverpflegung
Neben politischen Rahmenbedingungen gewinnen praxisnahe Bildungs- und Beratungsansätze an Bedeutung: der eine auf der Nachfrageseite bei den Kindern, der andere auf der Umsetzungsseite in den Küchen.
Acker – Lebensmittel mit allen Sinnen begreifen
Das Sozialunternehmen Acker bringt mit der GemüseAckerdemie Ernährungsbildung direkt auf den Schulhof: Kinder bauen ihr eigenes Gemüse an und begleiten den Weg vom Saatgut bis zur Ernte. Mittlerweile machen mehr als 1.350 Schulen mit, seit 2013 haben bereits über 400.000 Schülerinnen und Schüler an der GemüseAckerdemie teilgenommen.



