• 03.08.2026

Deutsche Food Startups im Aufschwung: Ein Blick auf Trends, Innovationen, Investitionen und Erfolgsfaktoren

Die Food Startup Szene in Deutschland entwickelt sich dynamisch weiter. Eva Martell und Marlies Resch vom Food Startup Inkubator Weihenstephan und Philipp Wolf von swyytr geben einen Überblick.

Geschrieben von Anna Frede

Das Bild zeigt den Gemeinschaftsstand Young Innovators auf der BIOFACH. Es zeigt viele kleine Messestände von unterschiedlichen Marken mit Menschen, die sich an den Ständen unterhalten und mit Menschen, die durch die Gänge laufen

Deutsche Startups erleben trotz anhaltender wirtschaftlicher Unsicherheiten einen positiven Wandel. Laut den neuesten Daten aus der Report-Reihe „Next Generation – Startup-Neugründungen in Deutschland“, veröffentlicht vom Startup-Verband und startupdetector, wurden im Jahr 2025 bundesweit 3.568 Startups neu gegründet – ein Zuwachs von 29 Prozent im Vergleich zu den Gründungszahlen 2024. Besonders bemerkenswert ist der Aufwärtstrend im B2C-Segment, das sich nach einer schwierigen Phase langsam erholt. Im Food-Sektor zeigt sich die stärkste Dynamik, mit einem signifikanten Anstieg der Neugründungen von deutschen Startups um 80 Prozent im Vergleich zu 2024. Doch was hat sich geändert? Welche Food Startup Trends prägen die Szene derzeit und welche Herausforderungen müssen Food Startups meistern, um langfristig erfolgreich zu sein?

 

Was sind die wichtigsten Food Startup Trends?

Die Szene der Food Startups bewegt sich aktuell in Richtung nachhaltigerer und gesünderer Produkte, was sich in den wichtigsten Trends widerspiegelt. Philipp Wolf, Gründer des digitalen Food Hubs swyytr, stellt fest, dass Bio-Produkte immer mehr zum Standard werden: „Bio ist auf dem Weg, ‚the new normal‘ zu werden, auch wenn es bis dahin noch ein weiter Weg ist.“ Eva Martell, Startup-Managerin am Food Startup Inkubator der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT) ergänzt, dass die Food Startup Trends nicht nur zu biologischen und nachhaltigen Produkten gehen, sondern auch der Gesundheitswert an Relevanz zunimmt: „Der Fokus liegt auf veganen und vegetarischen Produkten, die möglichst wenige Herstellungsprozesse durchlaufen und auf schonende Weise, wie zum Beispiel Fermentation, Einwecken und Einfrieren, haltbar gemacht werden.“ Dabei wird zunehmend auf Zuckerzusatz verzichtet, alternative Süßungsmittel eingesetzt und Nährstoffe wie Ballaststoffe und Proteine gezielt zugesetzt, um die Gesundheitswirkung zu verbessern.

 

Welche Innovationen prägen die Szene der Food Startups?

Die Startup Trends spiegeln sich auch in den innovativen Ansätzen wider, die derzeit in der Szene entstehen. Laut Martell bieten insbesondere Prozessinnovationen wie Fermentation, Trocknungsverfahren, Hochdruck-/Kaltpasteurisation und energiearme Verarbeitungsmethoden großes Potenzial. Ein weiteres Potenzial sieht sie im Clean Label, beziehungsweise im Neudenken von Prozessen und Haltbarkeitsdauern, die Zusatzstoffe ersetzen.

Wolf hebt die Entwicklung im Bereich der pflanzlichen Ernährung hervor: „Es entsteht jetzt erstmals eine Welle pflanzlicher Alternativen, die den Originalen sehr nahekommt – geschmacklich, aber vor allem in der bislang schwierigen Disziplin Textur.“ Ein Beispiel hierfür ist Project Eaden, das Textilindustrie-Technologien nutzt, um pflanzliche, fleischähnliche Strukturen aufzubauen. Auch die Entwicklung von zuckerfreien Süßwaren nimmt Fahrt auf. Wolf nennt NEOH aus Österreich, deren Süßungsmittel auf Ballaststoffen basiert und eine zuckerfreie Alternative bietet: „Produkte, die geschmacklich fast gleichwertig sind, aber voraussichtlich deutlich weniger gesundheitliche Nebenwirkungen mit sich bringen als klassische Varianten.“

Während Innovationen wie diese die Szene voranbringen, zeigen sich gleichzeitig Veränderungen im Investitionsklima, die die Finanzierungsmöglichkeiten für diese neuen Technologien beeinflussen.

 

Aktuelles Investitionsklima für Food Startups

Bis 2021 verzeichnete der Food-Sektor eine stetige Zunahme an Investitionen, die ihren Höhepunkt während der Corona-Pandemie erreichte. Wolf erklärt: „Dieser Höchststand war vor allem durch die enormen Investitionen in Quick-Commerce geprägt, also durch Unternehmen wie Gorillas oder Flink.“ Doch mit dem Beginn des Ukraine-Kriegs erlebte der Lebensmittelsektor einen drastischen Rückgang des Venture Capitals. Der Markt pendelt sich nun wieder auf dem Niveau von 2017 ein, mit einem deutlichen Abstand zu den früheren Rekordhöhen. Der Fokus der Investoren, der zwischenzeitlich stark auf dem Lebensmittel-Bereich lag, hat sich wieder verschoben. „Man merkt derzeit sehr gut, dass der Tech-Sektor insgesamt wieder mehr Aufmerksamkeit auf sich zieht“, so Wolf weiter. Viele Investoren wenden sich zunehmend Bereichen zu, die ein höheres Potenzial versprechen.

Auch Resch stellt fest, dass das Investitionsklima für Food Startups deutlich selektiver geworden ist. „Früher floss viel Kapital in nahezu alle Food Trends. Heute ziehen sich viele Investor*innen aus besonders risikoreichen Bereichen zurück, etwa kultiviertem Fleisch oder Startups ohne belastbares Geschäftsmodell“, erklärt sie. Stattdessen stehen technologiegetriebene Ansätze wie Fermentation, Biotechnologie und alternative Proteine im Vordergrund. „Auch Smart Farming, AgriTech und Lösungen zur Ressourceneffizienz werden bevorzugt finanziert“, so Resch weiter.

 

Was macht Food Startups erfolgreich?

Die veränderte Investitionsbereitschaft stellt zwar eine Herausforderung dar, doch Food Startups können weiterhin erfolgreich sein, wenn sie wesentliche Erfolgsfaktoren – wie eine klare Strategie, Anpassungsfähigkeit und die Bereitschaft, aus Feedback zu lernen – berücksichtigen. Wolf empfiehlt, mit einer gewissen Naivität zu starten und die eigene Idee zu validieren: „Sprecht mit möglichst vielen Menschen – sowohl potenziellen Kund*innen als auch Expert*innen – und nehmt ihr Feedback ernst.“ Zudem sollten Gründende bereit sein, ihre Konzepte anzupassen, wenn sich Annahmen als falsch herausstellen, und nicht aufzugeben, bis sich eine Chance auftut.

Resch betont, wie wichtig es ist, von Anfang an ein Produkt zu entwickeln, das sowohl geschmacklich überzeugt als auch preislich attraktiv ist: „Ein schlechter Geschmack führt dazu, dass Kund*innen das Produkt nicht ein zweites Mal kaufen, und zu hohe Preise verhindern, dass es überhaupt gekauft wird.“ Ein starkes Team, ein klares Verständnis der Zielgruppe und eine frühzeitige Finanzplanung sind entscheidend, da fehlende Finanzierung häufig ein Grund für das Scheitern von Startups ist. „Vergesst auch Marketing und Vertrieb nicht. Nur durch gezieltes Marketing, geschickten Verkauf und herausragenden Geschmack können Produkte erfolgreich sein.“

Auch (Fach-)Messen spielen eine entscheidende Rolle. Wolf betont: „Messen wie die BIOFACH erfüllen für mich zwei zentrale und wichtige Funktionen. Zum einen sind sie eine notwendige Plattform, um neue Marken und Produkte bekannt zu machen. Zum anderen sind sie ein notwendiges Instrument für den Aufbau und die Pflege des eigenen Netzwerks. LinkedIn und Co. können auch bis heute nicht den direkten und oftmals auch zufälligen Kontakt auf Branchen-Events ersetzen.“ Resch fügt hinzu: „Fachmessen wie die BIOFACH sind für Startups besonders wertvoll, wenn sie bereits ein marktfähiges Produkt haben. Sie bieten Sichtbarkeit vor einem internationalen Fachpublikum, ermöglichen direkten Austausch mit Händler*innen, Investor*innen und Partner*innen und liefern wichtiges Feedback zu Konzept, Geschmack oder Verpackung. Zudem lassen sich Markttrends früh erkennen.“

 

Startups auf der BIOFACH

Die BIOFACH bietet Food Startups verschiedene Möglichkeiten, ihre Innovationen einem breiten Publikum vorzustellen. Deutsche Startups können ihre Ideen am Gemeinschaftsstand „Young Innovators“ präsentieren, der vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz unterstützt wird. Internationale Gründerinnen und Gründer haben auf der Sonderfläche „International Newcomers & Start-ups“ die Gelegenheit, ihre Konzepte vorzustellen. Zudem gehen 2027 die BIOFACH Start-up Pitches in die dritte Runde. Darin bekommen Startups die Chance, ihre Produkte vor einem internationalen Fachpublikum und einer hochkarätigen Fachjury zu pitchen. Das Sieger-Startup wird mit dem BIOFACH Start-up Award ausgezeichnet – inklusive individuell abgestimmtem Gewinnpaket. 

Autor

Porträt von Anna Frede
Anna Frede
PR Consultant | modem conclusa gmbh