• 01.06.2026

Food Trends 2026: Was die Bio-Branche bewegt

Die BIOFACH Trendjury hat vier prägende BIOFACH Trends herausgearbeitet, die aktuelle Entwicklungen im Konsumverhalten und neue Impulse im Markt aufgreifen: von farbstarken Produktkonzepten und Fermentation bis hin zu trinkbaren Gesundheitslösungen und Angeboten für die Darmflora. Beispiele aus der Praxis zeigen, wie Unternehmen diese Ernährungstrends übersetzen und damit die Bio-Branche mitgestalten.

Geschrieben von Anna Frede

Das Bild zeigt zwei junge weiße Männer in Seitenansicht. Sie beugen sich mit interessiertem Gesichtsausdruck über einen Tisch, auf dem verschiedene Produkte ausgestellt sind. Der Tisch ist mit Blumen geschmückt

Bio wird bunter, funktionaler, präziser – und bleibt dabei seinen Werten treu. Genau in diesem Spannungsfeld entstehen derzeit starke Impulse, die die Bio-Lebensmittelbranche bewegen. Welche Themen gewinnen an Relevanz? Welche Produktideen treffen den Nerv der Zeit? Und wie wandeln sich die Erwartungen von Konsumentinnen und Konsumenten?

Antworten darauf bündelt die BIOFACH Trendjury jedes Jahr in den BIOFACH Trends. Für 2026 hat sie Produktneuheiten, junge Unternehmensideen und aktuelle Marktentwicklungen analysiert und daraus vier zentrale Trendrichtungen abgeleitet. Sie zeigen, wie sich die Bio-Branche zwischen Innovationsdynamik, neuen Konsumbedürfnissen und ihrem eigenen Wertekompass weiterentwickelt.

 

Im Mittelpunkt stehen 2026 diese vier Food Trends:

  • Colourful by nature – Farben als Mittel für mehr Sichtbarkeit, Emotionalität und kreative Markenführung
  • Precision meets tradition – Fermentation als Schnittstelle von traditionellem Wissen und technologischer Weiterentwicklung
  • Wellbeing in a bottle – trinkbare Gesundheitskonzepte für einen mobilen, funktional orientierten Alltag
  • Oh my gut! – ein gesundes Mikrobiom als Treiber für neue, alltagstaugliche Produktlösungen

 

Wir haben mit Mitgliedern der BIOFACH Trendjury sowie mit Unternehmen gesprochen, deren Produkte beispielhaft für diese BIOFACH Food Trends 2026 stehen. Ihre Einschätzungen machen deutlich, welche Themen die Branche derzeit antreiben, wo neue Chancen entstehen und wie Bio auf aktuelle Erwartungen an Genuss, Gesundheit und Innovation antwortet.

Colourful by nature: Wie Bio Farbe bekennt

Die Bio-Branche entdeckt Farbe neu und nutzt sie zunehmend als gestalterisches und strategisches Element. Der BIOFACH Food Trend 2026 "Colourful by nature" zeigt mit Produktbeispielen wie blauer Nussbutter, farbenfrohen Pfannkuchen oder intensiv gefärbten Getränken, dass Farben gezielt eingesetzt werden, um Artikel sinnlicher, sichtbarer und emotionaler zu machen. Gleichzeitig setzen Marken auf auffällige Verpackungen und modernes Design, um im Regal Aufmerksamkeit zu erzeugen und neue Zielgruppen anzusprechen.

 

Wie Sensorik die Wahrnehmung von Bio verändert

Dass hinter dem Food Trend mehr steckt als ein visueller Effekt, betont BIOFACH Trendjuror und Host des Podcasts „Food Fak(t)“ Stefan Fak: „Auf den ersten Blick klingt ‚Colourful by nature‘ nach einer ästhetischen Entscheidung. Aber dahinter steckt eine strategisch bedeutsame Aussage: Bio überwindet endlich das Imageproblem der ‚braunen Naturkost-Optik‘.“ Gestalterischer Anspruch und Werteorientierung müssten dabei kein Widerspruch sein. „Bio muss auf beiden Ebenen überzeugen: inhaltlich und sensorisch.”

Karin Heinze, Gründerin des Kommunikationsservices BiO Reporter International und BIOFACH Trendjurorin, betont das natürliche Farbspektrum der Bio-Zutaten: „Die Natur bringt die schönsten Farben hervor. Färbende und geschmackgebende Früchte, Beeren, Gemüse, Gewürze und Tees sind in großer Vielfalt da – Bio-Produkte brauchen keine künstlichen Farbstoffe.“ Gleichzeitig erweitern neue Zutaten und Technologien die Möglichkeiten der Produktgestaltung. Fak verweist etwa auf Fermentation: „Fermentierte Ausgangsstoffe wie Spirulina, Hibiskus oder Rote Bete können durch kontrollierte Prozesse in ihrer Farbintensität und Stabilität deutlich verbessert werden – ganz ohne synthetische Eingriffe.“ Aus Sicht von Mirja Eckert, BIOFACH Trendjurorin und Inhaberin von THE NEW, verändert dieser Ansatz die Wahrnehmung von Bio insgesamt: „Wir sehen aktuell, dass Produkte sinnlicher, sichtbarer und emotionaler werden – etwa durch intensivere Farben, neue Texturen oder überraschende Produktformate. Damit erschließt sich Bio zunehmend auch zum Beispiel designaffinere Zielgruppen, die bisher weniger über klassische Bio-Werte angesprochen wurden.“

Ein ähnlicher Trend lässt sich auch branchenübergreifend beobachten. So beschreibt die Marktforschungsagentur Mintel mit „Absichtlich sensorisch“ die wachsende Bedeutung multisensorischer Produktkonzepte. Alice Pilkington, Associate Principal bei Mintel Food & Drink, erklärt die Hintergründe: „Die wachsende Nachfrage nach multisensorischen Lebensmittel- und Getränkeerlebnissen wird von verschiedenen Faktoren angetrieben. Da unser Leben zunehmend virtuell wird, müssen die Erfahrungen, die wir in der physischen Welt machen, mehr bieten – sei es im Geschmack, in der Farbe oder in der Textur – um mit der immersiven Natur digitaler Welten mithalten zu können.“ Gleichzeitig spiele auch die Inszenierung in sozialen Medien eine wichtige Rolle – vor allem bei der jüngeren Generation: „Der ästhetische Wert und die Bestätigung, die das Teilen außergewöhnlicher Lebensmittel- und Getränkekreationen in sozialen Medien bringt, führen dazu, dass viele jüngere Konsumenten gezielt nach Produkten suchen, die Normen herausfordern.“ Für die Produktentwicklung sieht sie langfristig einen Perspektivwechsel: „Konsumenten werden weiterhin ungewöhnliche Texturen und Farben in Lebensmitteln und Getränken suchen“, so Pilkington. Künftig gehe es jedoch stärker darum, diese gezielt und strategisch einzusetzen, um einen echten Mehrwert zu schaffen – nicht nur als kurzfristigen Neuheitseffekt, sondern als differenzierendes Element in einem zunehmend wettbewerbsintensiven Markt. 

Das Bild zeigt mehrere blaue Produktverpackungen aus Karton auf einem Tisch. Darauf steht die Marke KISSA. Der Name des Produkts lautet Matcha for Latte – 6 Sticks. Unten auf der Verpackung ist eine Tasse mit Matcha Latte zu sehen. Eine Verpackung ist umgedreht; die  Zutatenliste ist verschwommen erkennbar

Wie Trendprodukte Farbe strategisch einsetzen

Wie sich der Farb-Trend konkret niederschlägt, zeigen die ausgezeichneten BIOFACH Trendprodukte. AIYA Europe bringt mit den KISSA Matcha for Latte Sticks intensiv-grünen, traditionellen Matcha in ein modernes Format. „Die Idee war, Matcha aus dem klassischen Ritual zu lösen und ihn in einen modernen, mobilen Alltag zu bringen – unkompliziert, schnell und jederzeit verfügbar“, erklärt Isabella Kristina Miglinci, Head of Marketing. Auch die Gestaltung spielt eine zentrale Rolle: „Die KISSA Verpackungen sind aus dem Anspruch entstanden, Tee neu zu denken und als moderne, zugängliche Kategorie zu inszenieren – visuell wie inhaltlich.“ 

Einen besonders auffälligen Farbimpuls setzt das bulgarische Unternehmen Belun Organics mit seinem BIOFACH Trendprodukt Blue Velvet Nut Butter, dessen intensive blaue Farbe aus Bio-Spirulina stammt. Geschäftsführer Radostin Rousev erklärt: „Es ist ein Produkt, das die eigenen Sinne gegeneinander kämpfen lässt. Wenn man das Produkt zum ersten Mal sieht, weiß man nicht, was man erwarten soll, weil die Farbe für ein Lebensmittel nicht traditionell ist.“ Zugleich spiele Farbe eine zentrale Rolle bei der Kaufentscheidung: „Natürlich konsumieren wir als moderne Lebewesen unsere Lebensmittel zuerst mit den Augen.“

Auf dem Bild sind drei Gläser mit Schraubverschluss zu sehen, die leuchtend blaue Nussbutter enthalten. Auf dem Etikett steht „Organic Blue Velvet Nut Butter“

Für die Bio-Branche wird Farbe damit zu einem wichtigen Mittel, um ihre Werte sichtbarer und erlebbarer zu machen. Oder wie BIOFACH Trendjurorin und Geschäftsführende Vorständin der Assoziation ökologischer Lebensmittelherstellerinnen und -hersteller Anne Baumann es zusammenfasst: „Farbe steht für Fröhlichkeit. Wenn wir mit Farbe spielen und dadurch Fröhlichkeit, Progressivität und Coolness vermitteln, ist das ein echter Gewinn.“

 

Precision meets tradition: Fermentation als Schlüssel zur Zukunft

Fermentation erlebt in der Bio-Branche ein Comeback – als traditionelle Methode ebenso wie als Impulsgeber für Innovation. Der BIOFACH Food Trend 2026 „Precision meets tradition“ zeigt, wie überlieferte Verfahren und neue Technologien zusammenkommen, um Geschmack, Textur und Nachhaltigkeitsaspekte weiterzuentwickeln.

 

Neue Dynamik für ein bewährtes Verfahren

BIOFACH Trendjuror Stefan Fak sieht mehrere Treiber hinter der Entwicklung: „Es beginnt mit kulinarischen Trends – Koji, Kimchi, Miso sind in gehobenen Küchen längst selbstverständlich und sickern jetzt in die Massenwahrnehmung.“ Gleichzeitig sind technologische Fortschritte ein wichtiger Impulsgeber: „Die technologischen Innovationen, insbesondere die Präzisionsfermentation, öffnen die Tür für völlig neue Zutaten.“ Für die Bio-Branche biete Fermentation die Chance, Produkte auch sensorisch weiterzuentwickeln: „Fermentation kann zum Werkzeug werden, um nicht nur nachhaltiger, sondern auch geschmacklich überzeugender zu sein als konventionelle Produkte. Das ist das entscheidende Argument – nicht ‚weniger schlecht‘, sondern ‚besser‘.“

Auch BIOFACH Trendjurorin Karin Heinze betont das Innovationspotenzial: „Fermentation, eine uralte Technik der Haltbarmachung von Lebensmitteln, ist seit einigen Jahren wieder im Kommen.“ Neben klassischen Anwendungen würden neue Verfahren „sehr spannende neue Produkte hervorbringen, die sowohl kulinarisch neue Geschmackserlebnisse liefern als auch für die Gesundheit wertvoll sind.“ 

Auf dem Bild sind zwei Vorratsgläser zu sehen, die etwas enthalten, das wie helle und dunkle Schokoladenstückchen aussieht

Trendprodukte zeigen das Potenzial der Fermentation

Wie das in der Praxis aussieht, zeigen die ausgezeichneten BIOFACH Trendprodukte. Das italienische Unternehmen Foreverland Food hat mit Choruba eine kakaofreie Alternative zu Schokolade entwickelt. „Choruba wurde als Lösung für die wachsende Nachfragelücke in der Schokoladenindustrie entwickelt, die ohne den Einsatz nicht-nachhaltiger Praktiken nicht geschlossen werden kann“, erklärt Alexandra Radini, Brand and Marketing Manager. Möglich wurde dies durch Fermentation: „Wir haben uns für Fermentation entschieden, weil sie es uns ermöglichte, die Geschmacksprofile unserer Zutaten zu verändern und zugleich ein Ergebnis zu erzielen, das Schokolade am ähnlichsten ist.“ 

Auch das in Frankfurt am Main ansässige Unternehmen Verrano nutzt traditionelle Verfahren für neue pflanzliche Produkte. Gründer Manuel Siskowski erläutert: „Für uns war es wichtig zu zeigen, dass pflanzliche Produkte auch niedrig verarbeitet sein können und gleichzeitig geschmacklich überraschen können.“ Fermentation sei dafür zentral, „weil wir auf eine natürliche Art Geschmack und Konsistenz optimieren können."

Das Bild zeigt zwei Hände in schwarzen Handschuhen. Sie legen dunkelrote Aufschnittscheiben auf eine Scheibe helles Brot auf einem Holzbrett. Im Hintergrund sind Brotscheiben zu sehen, die mit orangefarbenen und beigen Aufschnittscheiben belegt sind

Der Trend „Precision meets tradition“ macht deutlich: Gerade in der Verbindung von traditionellem Wissen und technologischer Präzision liegt ein enormes Innovationspotenzial für die Bio-Branche. Fermentation wird damit nicht nur zum Werkzeug für mehr Nachhaltigkeit, sondern auch für neue sensorische Qualität und Differenzierung im Markt. So entsteht aus einem bewährten Verfahren ein zukunftsweisender Ansatz, der zeigt, wie Bio-Produkte zugleich ursprünglicher und innovativer werden können. 

 

Wellbeing in a bottle: Die neue Leichtigkeit gesunder Routinen

Gesundheit wird zunehmend „to go“ gedacht: Der BIOFACH Food Trend 2026 „Wellbeing in a bottle“ zeigt, wie funktionale Getränke den Alltag erobern – von Shots bis hin zu vollwertigen Trinkmahlzeiten. Sie liefern gezielt Vitamine, Mineralstoffe oder Probiotika und verbinden Hydration mit konkretem Mehrwert für das Wohlbefinden.

 

Functional Food trifft Werteorientierung

BIOFACH Trendjuror Stefan Fak beschreibt diesen Wandel deutlich: „Gesundheit ist keine Ausnahmesituation mehr – kein Kur-Getränk, das man nur trinkt, wenn man krank ist. Sie wird zur Alltagsroutine. Konsument:innen wollen präventiv handeln, und zwar mit minimalem Aufwand in maximalem Zeitdruck.“ Getränke werden damit zu praktischen Helfern im Alltag, um Nährstofflücken einfach und gezielt zu schließen.  

Für die Bio-Branche eröffnet sich damit ein Spannungsfeld: „Traditionell steht sie für ganzheitliche Ernährung und langfristige Wirkung, während funktionelle Getränke oft einen konkreten, schnellen Nutzen versprechen. Die Chance liegt darin, beides zusammenzuführen“, erklärt Trendjurorin Mirja Eckert. Auch Fak sieht darin großes Potenzial für die Branche: „Bio kann funktionale Versprechen mit echter Substanz hinterlegen – mit nachweisbaren Zutaten, ohne synthetische Träger, mit rückverfolgbarer Rohstoffkette. Das ist das Differenzierungsangebot.“ Oder, wie BIOFACH Trendjurorin Anne Baumann es formuliert: „Gesundheit war von Anfang an einer der zentralen Werte der biologischen Landwirtschaft. Sie ist zum Beispiel auch verankert in den IFOAM-Prinzipien: Gesundheit von Boden, Pflanze, Tier, Mensch und Planet. Dieser Wert lässt sich jetzt sogar in Flaschen füllen.“ 

Das Bild zeigt eine Glasflasche auf einem Tisch. Sie ist mit einem orangefarbenen Immun Shot gefüllt. Das Produkt stammt von Voelkel

Praxisbeispiele für funktionale Getränkekonzepte

Auch aus Markensicht ist die Entwicklung klar erkennbar: „Neben dem reinen Genuss wünschen sich immer mehr Menschen einen zusätzlichen, länger anhaltenden Mehrwert für ihr persönliches Wohlbefinden“, sagt Vera von Wuntsch, Stellvertretende Abteilungsleiterin Marketing der deutschen Bio-Safterei Voelkel. Die funktionalen Shots des Unternehmens – Teil der BIOFACH Trendprodukte – setzen genau hier an: „Als echte Nahrungsergänzungsmittel versorgen sie den Körper je nach Sorte mit zahlreichen Vitaminen, Mineralstoffen, Koffein und Ballaststoffen.“ 

Dass sich Funktionalität und Alltagstauglichkeit verbinden lassen, zeigt auch die deutsche Marke PURYA! mit ihrer Trinkmahlzeit. „Es handelt sich bei unserem Real Meal um die erste Bio-Trinkmahlzeit auf dem Markt“, erklärt Karsten Lindlein, Geschäftsführer des dahinterstehenden Unternehmens Biovegan. Ziel sei es gewesen, eine vollwertige Versorgung in Bio-Qualität zu ermöglichen: „In unserem Produkt stammen die Vitamine aus echten Obst- und Gemüsequellen. Das bedeutet: pure Pflanzenpower, in Bio-Qualität und vollständig vegan."

Auf dem Bild sind einige rosa Plastikflaschen zu sehen, die auf der Seite liegen, sowie einige, die aufrecht stehen. Auf der Verpackung sind der Markenname PURYA!, der Produktname „Real Meal“ und die Geschmacksrichtung „Berry“ zu sehen
Das Bild zeigt eine schwarze Kaffeepackung mit rotem Etikett. Im Vordergrund sind verschwommen zwei weitere Packungen zu sehen. Eine Rose ist als Dekoration erkennbar

Internationale Marken greifen den Food Trend ebenfalls auf und übersetzen ihn in ganz unterschiedliche Getränkekonzepte. Rosa Lleyda, Export Managerin des spanischen Unternehmens Alternativa3, das mit seinem BIOFACH Trendprodukt Arabica Whole Bean Keto-Kaffee mit MCT und Kardamom / Zimt auf langanhaltende Energie und Antioxidantien setzt, erklärt: „Unsere Motivation entstand aus einer klaren Veränderung der Konsumgewohnheiten: Menschen suchen zunehmend nach Produkten, die Genuss, Funktionalität und Wohlbefinden verbinden, ohne dabei Abstriche bei Qualität oder Nachhaltigkeit zu machen.“ Getränke würden dabei immer stärker zur täglichen Gesundheitsroutine: „Vor allem Kaffee ist bereits ein tägliches Ritual, sodass er sich ganz natürlich für die Ergänzung um funktionelle Zusatznutzen eignet.“  

Auch Faseena Maliyekkal, Export Managerin des französischen Unternehmens Le Labo Dumoulin, sieht in dieser Entwicklung großes Potenzial. Mit dem neuen Wasserkefir trifft das Unternehmen den Nerv der Zeit: „Dieser Trend ist unbestreitbar. Wir betrachten das als eine spannende Entwicklung in der Lebensmittel- und Getränkeindustrie, in der funktionelle Getränke eine Brücke zwischen Genuss und Gesundheit schlagen.“ Entsprechend sei der Wasserkefir aus dem Wunsch heraus entstanden, die alltägliche Trinkroutine in einen Moment des Wohlbefindens und Genusses zu verwandeln: „Wir wollten ein Getränk, das lebendig, natürlich und voller Energie ist – etwas, das den Körper nährt und gleichzeitig die Sinne anspricht.“

Auf dem Bild sind mehrere Flaschen Wasser-Kefir erkennbar. Die Flaschen sind durchsichtig und haben bunte Etiketten. Die Flasche in der Mitte steht im Fokus, der Rest ist leicht verschwommen

Der Food Trend 2026 macht deutlich, dass sich Gesundheit zunehmend in flexible, alltagstaugliche Formate übersetzt. Für die Bio-Branche eröffnet sich damit die Möglichkeit, ihre Werte in neue Nutzungssituationen zu übertragen und funktionale Angebote mit echter Qualität zu verbinden. So entstehen Produkte, die nicht nur praktisch sind, sondern auch langfristig Vertrauen schaffen und neue Zielgruppen ansprechen.

 

Oh my gut!: Gesundheit beginnt im Darm

Der gesunde Darm entwickelt sich zunehmend zu einem zentralen Thema in der Bio-Branche. Der BIOFACH Trend „Oh my gut!“ steht für Produkte, die gezielt das Mikrobiom unterstützen – etwa durch Ballaststoffe, Prä- und Probiotika – und gleichzeitig auf einfache, transparente Rezepturen setzen. Damit wird ein komplexes Gesundheitsthema in alltagstaugliche Lebensmittel übersetzt.

 

Warum das Mikrobiom an Bedeutung gewinnt

Für die BIOFACH Trendjury liegt genau darin die Stärke der Entwicklung. „Darmgesundheit ist voll im Trend, probiotische Produkte für die heimische Küche oder zum Mitnehmen sind die Antwort für ein ausbalanciertes Mikrobiom“, so Karin Heinze. Gleichzeitig wird das Thema für Verbraucherinnen und Verbraucher greifbarer: „Getrieben wird die Entwicklung durch einen wachsenden Wunsch nach Gesundheitsvorsorge. Der Darm wird dabei immer stärker als zentrale Schnittstelle für Immunsystem, Wohlbefinden und sogar mentale Gesundheit verstanden“, erklärt Mirja Eckert.

BIOFACH Trendjuror Stefan Fak sieht darin eine langfristige Entwicklung: „Das ist keine Modeerscheinung, sondern eine strukturelle Verschiebung. Die wissenschaftliche Forschung zum Mikrobiom hat in den letzten Jahren eine Eigendynamik entwickelt, die sich nicht mehr umkehren lässt. Der Zusammenhang zwischen Darmgesundheit und Immunsystem, Stimmung, Schlafqualität – das ist kein Instagram-Mythos, das ist Forschungsrealität, die in der Breite ankommt. Für die Bio-Branche ist das eine langfristige Chance, keine temporäre Welle.“ 

Auf dem Bild sind mehrere Flaschen Wasser-Kefir erkennbar. Die Flaschen sind durchsichtig und haben bunte Etiketten. Die Flasche in der Mitte steht im Fokus, der Rest ist leicht verschwommen

Snacks für den Darm

Wie sich dieser Anspruch in Produkte übersetzen lässt, zeigen die ausgezeichneten BIOFACH Trendprodukte. Das französische Unternehmen BIOREVOLA setzt mit seinen Paleo-Keksen auf funktionale Zutaten und ernährungsphysiologische Qualität. „Unsere Motivation bei der Entwicklung unserer Paleo-Kekse war es, einen köstlichen, nahrhaften und funktionalen Snack zu schaffen, der reich an Ballaststoffen, gesunden Proteinen und Fetten und gleichzeitig zuckerarm ist“, erklärt Amy Charnay, Director of Research & Nutrition. Dabei spielt der Darm eine zentrale Rolle: „Eine gesunde Darmschleimhaut und ein ausgeglichenes Mikrobiom fördern den Stoffwechsel, die psychische Gesundheit und vieles mehr – alles hängt miteinander zusammen! Wir haben dies bei der Entwicklung berücksichtigt und 14 g pflanzliche Ballaststoffe pro 100 Gramm integriert, weil wir wissen, dass Ballaststoffe wichtig für ein gesundes Mikrobiom sind.“ 

Auch Solinest greift den Food Trend 2026 mit seiner Marke N.A! Nature Addicts im Snackbereich auf. „Die neuen N.A! Frubiotic Fruchtriegel kombinieren intensiven Fruchtgenuss mit Zusatznutzen in Form von wichtigen Ballaststoffen“, sagt Katrin Völcker, Marketing Director bei Solinest Deutschland. „Die Bio-Riegel enthalten Präbiotika, Inulin aus der Chicoree-Wurzel und decken mit mehr als 7 g Ballaststoffen pro Riegel über 20 % des täglichen Ballaststoffbedarfs.“ Dadurch sollen die Snackinnovationen gezielt die Darmflora unterstützen und gleichzeitig ein alltagstaugliches Produkt bieten.

Der Trend „Oh my gut!“ zeigt, wie stark sich wissenschaftliche Erkenntnisse inzwischen in konkrete und verständliche Produktkonzepte übersetzen lassen. Für die Bio-Branche liegt darin die Chance, Gesundheitsorientierung, Functional Food, Clean Label und Alltagstauglichkeit überzeugend zusammenzuführen. So wird ein gesunder Darm vom abstrakten Fachthema zu einem greifbaren Impuls für neue, genussvolle und funktionale Bio-Produkte. 

 

Weitere Impulse aus der BIOFACH Trend-Welt

Über die vier Produkttrends hinaus hat die BIOFACH Trendjury auch zwei übergeordnete Branchentrends identifiziert: „Reframing Organic“ und „Perfectly Simple“. Wer tiefer in die aktuellen Entwicklungen der Bio-Branche eintauchen möchte, findet dort zusätzliche Perspektiven auf zentrale Marktbewegungen und strategische Fragestellungen. Ein Überblick über beide Branchentrends sowie weitere Produkte im Umfeld der vorgestellten Produkttrends finden sich hier. 

Autor

Porträt von Anna Frede
Anna Frede
Junior PR Consultant | modem conclusa gmbh