Colourful by nature: Wie Bio Farbe bekennt
Die Bio-Branche entdeckt Farbe neu und nutzt sie zunehmend als gestalterisches und strategisches Element. Der BIOFACH Food Trend 2026 "Colourful by nature" zeigt mit Produktbeispielen wie blauer Nussbutter, farbenfrohen Pfannkuchen oder intensiv gefärbten Getränken, dass Farben gezielt eingesetzt werden, um Artikel sinnlicher, sichtbarer und emotionaler zu machen. Gleichzeitig setzen Marken auf auffällige Verpackungen und modernes Design, um im Regal Aufmerksamkeit zu erzeugen und neue Zielgruppen anzusprechen.
Wie Sensorik die Wahrnehmung von Bio verändert
Dass hinter dem Food Trend mehr steckt als ein visueller Effekt, betont BIOFACH Trendjuror und Host des Podcasts „Food Fak(t)“ Stefan Fak: „Auf den ersten Blick klingt ‚Colourful by nature‘ nach einer ästhetischen Entscheidung. Aber dahinter steckt eine strategisch bedeutsame Aussage: Bio überwindet endlich das Imageproblem der ‚braunen Naturkost-Optik‘.“ Gestalterischer Anspruch und Werteorientierung müssten dabei kein Widerspruch sein. „Bio muss auf beiden Ebenen überzeugen: inhaltlich und sensorisch.”
Karin Heinze, Gründerin des Kommunikationsservices BiO Reporter International und BIOFACH Trendjurorin, betont das natürliche Farbspektrum der Bio-Zutaten: „Die Natur bringt die schönsten Farben hervor. Färbende und geschmackgebende Früchte, Beeren, Gemüse, Gewürze und Tees sind in großer Vielfalt da – Bio-Produkte brauchen keine künstlichen Farbstoffe.“ Gleichzeitig erweitern neue Zutaten und Technologien die Möglichkeiten der Produktgestaltung. Fak verweist etwa auf Fermentation: „Fermentierte Ausgangsstoffe wie Spirulina, Hibiskus oder Rote Bete können durch kontrollierte Prozesse in ihrer Farbintensität und Stabilität deutlich verbessert werden – ganz ohne synthetische Eingriffe.“ Aus Sicht von Mirja Eckert, BIOFACH Trendjurorin und Inhaberin von THE NEW, verändert dieser Ansatz die Wahrnehmung von Bio insgesamt: „Wir sehen aktuell, dass Produkte sinnlicher, sichtbarer und emotionaler werden – etwa durch intensivere Farben, neue Texturen oder überraschende Produktformate. Damit erschließt sich Bio zunehmend auch zum Beispiel designaffinere Zielgruppen, die bisher weniger über klassische Bio-Werte angesprochen wurden.“
Ein ähnlicher Trend lässt sich auch branchenübergreifend beobachten. So beschreibt die Marktforschungsagentur Mintel mit „Absichtlich sensorisch“ die wachsende Bedeutung multisensorischer Produktkonzepte. Alice Pilkington, Associate Principal bei Mintel Food & Drink, erklärt die Hintergründe: „Die wachsende Nachfrage nach multisensorischen Lebensmittel- und Getränkeerlebnissen wird von verschiedenen Faktoren angetrieben. Da unser Leben zunehmend virtuell wird, müssen die Erfahrungen, die wir in der physischen Welt machen, mehr bieten – sei es im Geschmack, in der Farbe oder in der Textur – um mit der immersiven Natur digitaler Welten mithalten zu können.“ Gleichzeitig spiele auch die Inszenierung in sozialen Medien eine wichtige Rolle – vor allem bei der jüngeren Generation: „Der ästhetische Wert und die Bestätigung, die das Teilen außergewöhnlicher Lebensmittel- und Getränkekreationen in sozialen Medien bringt, führen dazu, dass viele jüngere Konsumenten gezielt nach Produkten suchen, die Normen herausfordern.“ Für die Produktentwicklung sieht sie langfristig einen Perspektivwechsel: „Konsumenten werden weiterhin ungewöhnliche Texturen und Farben in Lebensmitteln und Getränken suchen“, so Pilkington. Künftig gehe es jedoch stärker darum, diese gezielt und strategisch einzusetzen, um einen echten Mehrwert zu schaffen – nicht nur als kurzfristigen Neuheitseffekt, sondern als differenzierendes Element in einem zunehmend wettbewerbsintensiven Markt.